Konzept
Im Netz der sozialpsychiatrischen
Versorgung der Region Frauenfeld arbeitet die Wohngruppe
Kanzler mit verschiedenen Institutionen zusammen,
insbesondere mit dem Externen Psychiatrischen Dienst,
den Geschützten Werkstätten,
sowie den Hausärzten und Psychiatern.
Als sozialpsychiatrische Institution hat die Wohngruppe
Kanzler nicht nur rehabilitativen Charakter für ehemalige
Klinikpatienten. Sie bietet auch betreute Wohnmöglichkeit
für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen,
die noch nie psychiatrisch hospitalisiert waren.
Die Wohngruppe an der Kanzlerstrasse bietet 8-10 Einzelzimmer,
hinzu kommen 4-6 Plätze in dezentralen Externatswohnungen.![]()
Zielgruppe
Die Wohngruppe ist offen für
ehemalige Psychiatriepatienten und Patientinnen, sowie
für Menschen, die sich in einer momentanen Lebenskrise
befinden. Sie sind zwischen 18 und 50 Jahre alt.
Unsere BewohnerInnen haben sich zum Ziel gesetzt, im
persönlichen, sozialen und lebenspraktischen Bereich
Entwicklungsschritte zu machen. Unser offener Rahmen
bedingt ein gewisses Mass an Selbstständigkeit und
die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Nicht geeignet ist die Wohngruppe für Menschen
mit Alkohol- und Drogenproblemen, solange diese im Vordergrund
stehen. Das gleiche gilt für Menschen in einem
stark psychotischen Zustand und bei Suizidgefahr.
Der Eintritt erfolgt auf eigenen Wunsch und freiwillig. Wir
führen keine fürsorgerischen und strafrechtlichen
Massnahmen durch.![]()
Aufnahmeverfahren und Aufnahmebedingungen
- Bei einem ersten telefonischen Kontakt klären wir die Zielgruppenzugehörigkeit ab. Hinweis auf unsere Homepage, Versand von Informationsunterlagen. Vereinbarung eines Termins für ein Vorstellungsgespräch.
- Vorstellungsgespräch: Zu Beginn findet eine Besichtigung mit Kurzinformationen statt. Gespräch mit dem Betreuungsteam, Kennenlernen und Klären der gegenseitigen Erwartungen.
- Besuchswochenende: Schnupper, Kennenlernen der Mitbewohnerinnen und Bewohner.
- Gegenseitiger Entscheid
Bedingungen für den Eintritt in die Wohngruppe
sind:
eine gesicherte Finanzierung, die Bereitschaft einer
Arbeit oder anderwertigen Tagesstruktur nachzugehen
und die Fähigkeit und Bereitschaft Entwicklungsschritte
zu machen
Vor dem Eintritt wird eine Aufenthaltsvereinbarung unterzeichnet.![]()
Ziele
Unser Ziel ist es, Menschen mit einer
psychischen Beeinträchtigung eine Neuorientierung
und die berufliche und soziale Integration zu ermöglichen.
Oberstes Ziel ist die grösstmögliche Selbstbestimmung,
um nach dem Aufenthalt bei uns ein selbstständiges
Leben führen zu können. Weitere Ziele sind
das Akzeptieren der Erkrankung als Teil der Persönlichkeit
und das Lernen, mit dieser Beeinträchtigung umzugehen.
Die individuellen Ziele werden gemeinsam formuliert
und regelmässig überprüft.![]()
Wie wir arbeiten
Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt
darin, die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Alltagsbewältigung
zu begleiten und zu unterstützen. Im Zentrum stehen
Arbeit, Freizeit, Beziehungen. Wir gehen bei unserer
Arbeit vom Normalitätsprinzip aus, dies bedeutet
konkret: Trennung von Wohnen, Arbeit und Freizeit in
einem normalen Tagesrhythmus, selbständig mit Geld
umgehen, selber kochen, die Freizeit gestalten, für
seine Rechte eintreten, Konflikte bewältigen, Verantwortung
übernehmen, Beziehungen pflegen, usw. Ein weiterer
Schwerpunkt liegt darin, zu motivieren und Wege zur
Selbsthilfe aufzuzeigen. Wir legen Wert auf die Aktivierung
gesunder Anteile und versuchen, keine künstliche
Schonatmosphäre zu schaffen, sondern durchaus auch
mit der Alltagsrealität zu konfrontieren. Jede
Bewohnerin, jeder Bewohner hat eine Bezugsperson, deren
Aufgabe die Unterstützung in Entscheidungsfragen,
sowie die Pflege von Kontakten zu Drittpersonen ist.![]()
Grenzen
Wo immer Menschen zusammenleben und
arbeiten, gibt es Spielregeln und Grenzen. Da wir als
Ziel die Integration in den Berufs- und Gesellschaftsalltag
anstreben, sind die diesbezüglichen Normen und
Werte, wie z. B. die Bereitschaft zu arbeiten, zur Freizeitgestaltung,
zur Körperpflege und zu sozialen Kontakten die
Grundlagen unserer Arbeit.
Daher erwarten wir die Aufrechterhaltung einer Tagesstruktur,
die Bereitschaft und Motivation zum Gespräch.
Im Falle einer akuten psychischen Krise entscheidet
das Team unter Einbezug von Psychiater, Haus- oder Notfallarzt
über eine mögliche Krisenintervention in einer
psychiatrischen Klinik.
Zu einem irregulären, kurzfristigen Austritt kann
es kommen, wenn gegen die Aufenthaltsvereinbarung oder
Hausordnung verstossen oder die Belastbarkeit der Wohngruppe
massiv überschritten wird.![]()
Haushalt
Der Haushalt wird gemeinsam geführt.
Alle übernehmen einen Teil der Verantwortung für
das Kochen, Putzen, Abwaschen, Wäsche besorgen,
Einkaufen usw. Diese Fertigkeiten sind notwendig, um
später in einem eigenen Haushalt zurechtzukommen.![]()
gespräche mit Angehörigen/ Kontakt zu Drittpersonen
Die Bezugsperson pflegt im Einverständnis
mit der Bewohnerin, dem Bewohner den Kontakt zu Familienangehörigen,
Partnern und Arbeitgebern. Dabei geht es im wesentlichen
um klare Abmachungen und Ziele des Aufenthalts, auch
sollen Schwierigkeiten in diesen Beziehungen zur Sprache
kommen können. ![]()
Freizeit
In der Wohngruppe wird ein beschränktes
Freizeitprogramm angeboten. Das Team berücksichtigt
die individuellen Bedürfnisse der Bewohnerinnen
und Bewohner und leistet Motivationsarbeit.
Unsere Angebote sind: gemeinsame Sonntagsaktivitäten,
erlebnispädagogisches Reiten, Einführungskurse
in Computer und Internet, ein gemeinsames Kanzlerwochenende,
gemeinsame Ferienwoche.
Im übrigen soll in erster Linie das breite Angebot
der Stadt Frauenfeld mit Kino, Theater, Clubs, Vereinen,
Konzerte, Weiterbildung, usw. genutzt werden.![]()
Ärztliche Versorgung
Jede Bewohnerin und jeder Bewohner
kümmert sich selber um einen Hausarzt, Psychiater
oder Psychotherapeuten. Medikamentöse Massnahmen
sind ausschliesslich Sache des gewählten Arztes.
Allerdings legen wir Wert darauf, dass eine therapeutische
Beziehung zu einem Psychiater oder Psychotherapeuten
- im Sinne einer Langzeitbegleitung - aufgebaut wird.![]()
Finanzierung
Der Pensionspreis beträgt Fr.
135.- pro Tag (Stand 01.11.2011). Mittels Subventionen des Bundesamtes
für Sozialversicherung (BSV), der Stadt Frauenfeld
und verschiedener Kirchgemeinden werden die verbleibenden
Posten gedeckt. Ebenso werden Vereine, Stiftungen, Firmen
und Private um Beiträge und Spenden gebeten.![]()
Übertritt ins Externat
Für Bewohnerinnen und Bewohner,
die in eine selbständige Wohnform übertreten
möchten, besteht die Möglichkeit des Wechsels
in eine Externatswohnung. Dies bedingt eine erhöhte
Selbstständigkeit in allen lebenspraktischen Bereichen,
das Interesse an einer sinnvollen Freizeitgestaltung
sowie das Vorhandensein eines Beziehungsnetzes.![]()
Externat
Das Externat hat zum Ziel, die Fähigkeiten
im Bereich Alltagsbewältigung, soziales Umfeld
und Freizeit zu festigen und weiter zu entwickeln und
neue zu erwerben.
Während die Betreuung und Begleitung durch die
bisherige Bezugsperson Konstanz, Sicherheit und Unterstützung
in allen Bereichen bietet, wird durch eine stufenweise
Ablösung mehr Eigenverantwortung und Selbstständigkeit
gefördert und gefordert.![]()
Austrittsplanung
Sind die Aufenthalts- bzw. Förderziele
erreicht, oder sollten keine Entwicklungsschritte mehr
möglich sein, so wird der Austritt aus der Wohngruppe
oder dem Externat sorgfältig geplant und vorbereitet.![]()
